PMBOK Guide V5

Am vergangenen Samstag (5. August) hat das PMI den Erscheinungstermin für die 6. Edition des PMBOK®-Guides veröffentlicht. Im Unterschied zu früheren Editionen erscheint der Guide diesmal in elf Sprachen gleichzeitig. Laut der aktuellen Ankündigung erscheint die neue Edition sowohl im Druck als auch als E-Book am 6. September 2017.  PMI®-Mitglieder können sich die neue Edition ab dem 6. September aus dem Katalog der Standards als E-Book (geschütztes PDF) herunterladen. Die Anpassung der PMP®-Zertifizierungsprüfung soll im ersten Quartal des Jahres 2018 vorgenommen werden.

Wie ich schon in früheren Beiträgen berichtet habe, hatte ich das Glück, dass ich zur Validierung der deutschen Übersetzung der Version 6 des PMBOK®-Guides vom PMI eingeladen wurde. Dabei konnte ich die bevorstehenden Änderungen in Augenschein nehmen. Die zentralen Neuerungen waren aber auch schon im Entwurf, der den PMI®-Mitgliedern Mitte letzten Jahres zur Verfügung gestellt wurde, sichtbar. Die Änderungen möchte ich den Mitgliedern und Freunden unseres Chapters hier kurz vorstellen.

Sie lassen sich grundsätzlich in drei Kategorien zusammenfassen:

  1. Änderungen im Prozessmodell
  2. Neue und geänderte Konzepte und Ansätze
  3. Änderungen in der Struktur des PMBOK®-Guides

Änderungen im Prozessmodell des PMBOK®-Guides

Die Änderungen im Prozessmodell sind in der 6. Edition nicht sehr groß. Mit Edition 5 scheint das PMI einen Standard erreicht zu haben, der sich als relativ stabil erweist. Zwar wächst die Zahl der Prozesse in Edition 6 wieder auf 49 an, die meisten Änderungen betreffen aber die schon existierenden Prozesse. Die Anzahl und Struktur der Wissensgebiete und Prozessgruppen bleibt gleich.

Neue Prozesses gibt es im Integration Management zum Management des Projektwissens, im Ressourcenmanagement zur Steuerung der Ressourcen und im Risikomanagement zur Implementierung der Risikoantwortmaßnahmen. Der Prozess zur Beendigung von Verträgen entfällt als eigener Prozess. Die damit verbundenen Managementtätigkeiten werden dem Prozess der Beschaffungssteuerung zugewiesen.

Eine größere Änderung betrifft das Wissensgebiet zum Ressourcenmanagement. In der 5. Edition des Guides beziehen sich die darin liegenden Prozesse nur auf Personalressourcen, insofern heißt es dort konsequent „Project Human Resource Management“. Ab der 6. Edition heißt es nun „Project Resource Management“ und bezieht sich auch auf materielle („physical“) Ressourcen. In diesem Zuge wurde auch der Prozess der Ressourcenschätzung von „Project Time Management“ (das in Edition 6 jetzt auch genauer „Project Schedule Management“ heißt) in das Wissensgebiet „Projekt Resource Management“ verschoben. Auf die Abhängigkeit der Prozesse innerhalb des Prozessmodells hat diese Änderung keinen Einfluss. Die Ressourcenschätzung ist immer noch eine Voraussetzung für die Dauerschätzung an den Projektvorgängen.

Neben diesen inhaltlichen Änderungen gibt es einige Umbenennungen von Prozessen, die die Benennungsstruktur vereinheitlichen sollen:

Prozessname in 5. Edition Prozessname in 6. Edition
Perform Quality Assurance Manage Quality
Plan Human Resource Management Plan Resource Management
Acquire Project Team Acquire Resources
Develop Project Team Develop Team
Manage Project Team Manage Team
Control Communications Monitor Communications
Control Risks Monitor Risks
Plan Stakeholder Management Plan Stakeholder Engagement
Control Stakeholder Engagement Monitor Stakeholder Engagement

Neue und geänderte Konzepte und Ansätze des PMBOK®-Guides

Es gibt in der 6. Edition einige auffällige Änderungen, die deutlich machen, dass bestimmte Konzepte für das PMI® an Relevanz gewonnen haben. So wird zum Beispiel das Konzept der Anpassung des Prozessmodells (das „Tailoring“) in der neuen Edition dadurch gestärkt, dass dazu in der Beschreibung jedes Wissensgebiets ein eigener Abschnitt gewidmet ist. Das PMI® legt Wert darauf, dass das Prozessmodell für die jeweilige Projektumgebung vom Projektmanager anzupassen ist und nicht einfach als fertige Arbeitsanweisung übernommen werden kann. Die relevanten Fragen, die Einfluss auf die konkrete Ausgestaltung der Prozesse eines Wissensgebietes in der aktuellen Projektumgebung haben, werden dabei in einem eigenen, jedem Wissensgebiet vorangestellten Abschnitt beschrieben.

Dies gilt in gleicher Weise für die Anwendung des Prozessmodells in agilen, adaptiven oder iterativen Arbeitsumgebungen. Auch dazu gibt es jetzt in jedem Wissensgebiet einen eigenen Abschnitt.

Nachdem in der 5. Edition das Datenflussmodell vereinheitlicht wurde, werden mit der Edition 6 auch die Techniken zum Umgang mit Daten neu strukturiert. In den meisten Prozessen finden wir nun unter den Werkzeugen und Methoden eines Prozesses „Data Gathering -“ und „Data Analysis Techniques“, neben den bekannten Konzepten des „Decision Making“, „Interpersonal and Team Skills“, „Communication“ und „Communication Skills“.

Stärker betont wird in der neuen Edition auch die Klassifizierung der Prozesse nach Häufigkeit Ihrer Anwendung im Projekt. Jeder Prozess wird einer von drei Kategorien zugeordnet. Die Prozesse differenzieren sich demnach in:

  • Prozesse, die nur einmal zu einem bestimmten Zeitpunkt im Projekt ausgeführt werden,
  • Prozesse, regelmäßig nach Bedarf im Projekt ausgeführt werden, und
  • Prozesse, die kontinuierlich über den gesamten Projektverlauf durchgeführt werden.

Neue Ansätze betreffen insbesondere das Risikomanagement und das Earned Value Management. Im Risikomanagement wird eine neue Strategie „Escalate Risk“ beschrieben, mir der die Verantwortlichkeit für ein Risiko auf die nächsthöhere Managementebene (Programm, Portfolio, Unternehmen) verschoben wird.

Das Earned Value Management wird um das Konzept des „Earned Schedule“ erweitert, anhand dessen der Zeitfortschritt im Projekt genauer gemessen wird und einen eigenen Wert bekommt.

Der neue Prozess „Manage Project Knowledge“ macht schon deutlich, dass auch das Konzept der Lessons Learned stärker betont wird. Das Dokumentieren der Lessons Learned ist jetzt konkreter Bestandteil in den Prozessbeschreibungen.

Natürlich wird auch der „Competence Triangle“, den die PMP®s unter unseren Mitgliedern schon für die Aufrechterhaltung der Zertifizierung mittels PDUs kennen, in den PMBOK®-Guide aufgenommen. Die Rolle des Projektleiters und die benötigten Kompetenzen, die durch dieses Dreieck angesprochen werden, werden ausführlich im neuen 3. Kapitel des Guides beschrieben.

Änderungen an der Struktur des PMBOK®-Guides

Aus diesen inhaltlichen Änderungen ergeben sich eine Reihe struktureller Änderungen. Diese lassen sich wie folgt zusammenfassen.

Kapitel 1 – 3 sind vollständig überarbeitet, teilweise auch neu geschrieben: 1. Kapitel beinhaltet eine Einführung in die Konzepte des Projektmanagements, inklusive agiler Ansätze und weiterer Lebenszyklusmodelle. 2. Kapitel beschäftigt sich wie bisher mit der Projektumgebung und dient insbesondere der Darstellung der relevanten Einflüsse aus den „Enterprise Environmental Factors“ und den „Organizational Process Assets“. 3. Kapitel ist jetzt neu der Rolle des Projektmanagers gewidmet und beschreibt die Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kompetenzen für ein erfolgreiches Projektmanagement. Die Beschreibung des Prozessmodells und damit auch die Zählung der Prozesse beginnt wie bisher mit Kapitel 4.

Jedem Wissensgebiet sind jetzt vier Abschnitte sogenannten „Front Materials“ vorangestellt. Diese sind:

  • Key Concepts
  • Trends and Emerging Practices
  • Tailoring Considerations
  • Approaches in Agile, Iterative, and Adaptive Environments

Wie bisher wird der PMBOK®-Guide um einige Anhänge ergänzt. Neu sind darin die Zusammenfassungen aus den vier Abschnitten des „Front Materials“ der Wissensgebiete:

  • Summary of Key Concepts
  • Summary of Tailoring Considerations
  • Summary of Tools & Techniques
  • Adaptive & Iterative Approaches

Wann wird der neuen PMBOK®-Guide für mich relevant ?

Wie schon einleitend erwähnt, wird das PMI® die Zertifizierungsprüfungen, die auf dem PMBOK®-Guide basieren (dies sind in erster Linie der PMP® und der CAPM®), im 1. Quartal 2018 umstellen. Kursanbieter und Registered Education Provider (REPs) werden daher ihre Kurse mit dem Erscheinen umstellen.

Grundsätzlich sind aber die Unterschiede zwischen den beiden Versionen nicht so groß, dass man die neue Prüfung nicht auch mit dem Basiswissen aus einem Kurs zu Edition 5 bestehen könnten. Wer das Prozessmodell und seine Arbeitsweise in der Edition 5 gut gelernt hat, für den sollte es reichen, sich mit den Änderungen konkret zu beschäftigen, um gut auf die neue Prüfung vorbereitet zu sein. Viel Erfolg bei der Vorbereitung, zu der wir Ihnen die Teilnahme an unseren Study Groups ans Herz legen möchten, und Absolvierung Ihrer PMP®-Zertifizierungsprüfung wünscht Ihnen

Dr. Eckhard Hauenherm, PMP®

VP Communications

PMI Köln Chapter
www.pmicc.de

 

6. PMBOK-Guide am 6. September 2017